Focus on the Essentials

11/11/2013, Handelszeitung

Der Blick für das Wesentliche sollte nicht durch kurzfristige Überlegungen verbaut werden. Dazu eine Anekdote: 1929, im Jahr des folgenschweren Börsenkrachs in den USA, verkaufte der Geschäfts­leiter von Coca-Cola Ak­tien seines Unternehmens «leer». Er spekulierte auf ­einen Kursrückgang, weil er den Titel und den Markt für völlig überteuert hielt. Drei Jahre später, nachdem die Coca-Cola-Aktie neue Höhen erreicht ­hatte, stand der Mann praktisch vor dem Nichts.

Nicht vom Getöse blenden lassen

Lassen sich die Lehren aus diesem Beispiel auf die Asset-Management-Branche im Allgemeinen und «aktive» Vermö­gensverwalter im Speziellen anwenden? Durchaus. Zum einen zeigt es, dass sich der Fokus auf Qualität langfristig auszahlt. Zum anderen verdeutlicht das Beispiel, wie wichtig es ist, sich nicht vom Getöse an den Märkten blenden zu lassen. Dies ist gerade für «Stock Picker», die sich ständig auf der Suche nach attraktiven Einzeltiteln befinden, entscheidend.

Diese Philosophie lässt sich durch «Wachstum zu einem vernünftigen Preis» zusammenfassen. Ein «vernünftiger Preis» ist allerdings natürlich relativ: Es gibt Ak­tien, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 teuer bewertet sind, und Titel, die mit einem KGV von 25 billig ­gehandelt werden. Was letztlich den ­Ausschlag gibt, ob ein Titel ins Portfolio auf­genommen wird oder nicht, sind die Sub­stanz und die Aussichten des Unternehmens. Oder genauer gesagt: «Qua­litätsaktien» sind typischerweise Wertschriften von Unternehmen, welche sich durch langjähriges Gewinnwachstum,solide Bilanzen und Free Cashflows, gute Führungsteams sowie Wettbewerbsvorteile auszeichnen. Ausserdem sollte ihre Entwicklung angemessen prognostizierbar sein. Für solche Anlagen sollte man auch bereit sein, einen höheren Preis zu bezahlen.

Anleger müssen sich also grundsätzliche Fragen stellen: Wollen sie zum Beispiel über Indexfonds die Marktentwicklung abbilden oder durch geschicktes Auswählen der besten Titel zum Teil gegen den Markt schwimmen? Auf den breiten Markt zu setzen gleicht einem Blindflug.

Titel von ausgesuchten, global tätigen Firmen bleiben auch in Krisenzeiten ­attraktiv. Die Betonung liegt dabei auf «ausgesucht», die Vorteile eines aktiven Managementstils überwiegen. «Passiv» in einen Markt einzusteigen, zum Beispiel durch den Kauf von günstigen Indexfonds, ist der falsche Weg, denn die Börsen der Welt sind oft mit wenig profitablen «Schwergewichten» überladen.

Qualitätsfirmen im Fokus

Wir setzen deshalb auf einen fünfstu­figen Prozess, der ein «Universum» aus mehreren Tausend Aktien auf ein konzentriertes Portfolio von weniger als 100 Titeln reduziert. Im Fokus stehen Qualitätsunter­nehmen, die sich durch Nachvollziehbarkeit ihres Geschäftsmodells, konstantes Gewinnwachstum, Rentabilität, solide Bilanzen, Free Cashflow und Wettbewerbsvorteile auszeichnen. Jede Firma wird ­somit sehr genau analysiert, und der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg – oder Ausstieg – wird gesucht.

Langfristig besteht eine enge Korre­lation zwischen Gewinnwachstum und ­Aktienkurssteigerungen. Durch die Ermittlung vernünftig bewerteter erstklassiger Unternehmen, die die Erträge auf nachhaltiger Basis schneller als der Markt steigern können, können überdurchschnitt­liche Renditen erzielt werden.

Festhalten an Indien

Aktives Management hat, wie eingangs erwähnt, sehr viel mit Beharrungsvermögen und Mut zu tun. Das heisst beispielsweise an indischen Aktien festhalten. ­Damit setzen wir uns von dem jüngst vorherrschenden Trend an den Märkten ab, Anlagen in Schwellenländern abzustos­sen. Indien hat gegenwärtig mit vielen Problemen zu kämpfen, dennoch überzeugen die dortigen Anlagen weiterhin. Dazu gehören die Titel der seit Jahren ­erfolgreich wirtschaftenden Privatbank HDFC Bank.

Bei Anlageentscheidungen einen langfristigen Horizont zu verfolgen heisst nicht, träge zu werden. Jederzeit sollte nach interessanten Anlagemöglichkeiten Ausschau gehalten werden. Zu den ­«neuen» Themen gehören Titel aus dem Gesundheitswesen-Sektor mit Pharma- und Biotech- Unternehmen wie Biogen, Celgene und Roche.

Rajiv Jain und Matthew Benkendorf, Portfoliomanager, Vontobel Asset Management, New York.
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